NRZ vom 16.01.2009

Zeitungsartikel NRZ Im folgenden der Originaltext - natürlich funktioniert auch beim Interview das Prinzip "Stille Post". Das heißt, es gibt die berühmten Übermittlungsfehler, zumal so ein Interview erst am Folgetag ins Reine geschrieben wird.

 

Daher bitte von einigen Fehler absehen...

Schwert und Geist

Hans-Peter Westbeld und Manfred Thull unterrichten beim TuS 96 Hilden Schwertkampf. Die Kenntnisse über den seltenen Sport erhalten sie aus alten Fechtbüchern.

 


HILDEN. Chinas legendärer Polit-Guru Mao Tse Tung wusste um die Gefahr des Schwertes, um die reale und die symbolische. Während der gewaltträchtigen Kulturrevolution ließ er Gebrauch und Besitz der Waffe verbieten. Die Traditionalisten und oppositionellen Regimekritiker trainierten dennoch weiter: mit ihren Essstäbchen.

Der 42-jährige Hildener Hans-Peter Westbeld erzählt mit Vorliebe diese Anekdote, verdeutlicht sie doch, dass es beim Schwertkampf nicht um ein "aufeinander draufkloppen" geht, sondern um harmonische Bewegungsabläufe und eine dahinter stehende Geisteshaltung. Werkzeugmechaniker Westbeld war zuletzt vier Jahre Schwertkampf-Trainer bei einem Neusser Verein. Im vergangenen Jahr lernte er mit dem Hildener Manfred Thull (45) einen Gleichgesinnten kennen. Er kommt ebenfalls vom japanischen Kampfsport und frönt seit zwei Jahrzehnten dem Hobby "Schwertkampf". Nach Kontaktaufnahme mit dem TuS 96 Hilden kam es zur Gründung einer Abteilung "Schwertkampf".


In Wikinger- und Ritterrüstung

Seit November 2008 bieten Trainer Westbeld und Abteilungsleiter Thull nun jeweils freitags in der Sporthalle der Adolf-Reichwein-Schule an der Beethovenstraße für alle Interessierten ab 16 Jahren ein Training in der Kunst des Schwertkampfs an. Zum NRZ-Foto- und Interview-Termin erscheinen beide im Outfit für Fortgeschrittene. Sie betreiben seit langem die seltene Sportart als Hobby.

Hans-Peter Westbeld kommt mit Kettenhemd und Hörnerkopfschmuck als Wikinger aus dem 9. bis 11. Jahrhundert daher. Grafik-Designer Manfred Thull schlüpfte in eine Ritterrüstung aus dem 13. Jahrhundert. Die Gewänder tragen sie selten. Ausschließlich bei Besuchen und Schaukampf-Auftritten auf den, in vielen Städten beliebten, mittelalterlichen Märkten. Kaufen kann man solch´ historische Bekleidung in spezialisierten Fachgeschäften in Köln und Düsseldorf. Mit dem normalen Training hat dies nichts zu tun. Hier kann mit jeglicher Kleidung trainiert werden, und es reicht ein Stock als Ersatzschwert.

Trainiert werden alle, über Jahrhunderte aus dem asiatischen und europäischen Raum überlieferten Formen des Schwertkampfs. Kenntnis verschafft man sich durch das Studium und die Interpretation alter Fechtbücher. Aber auch heute noch lebende Traditionen, wie das spanische "Jogodupan", ein Stockkampf zwischen Dörfern, wollen die Hildener nachstellen und pflegen. Auf die Frage nach der Trainingsphilosophie, nach Vorteilen und Nutzen der Ausübung des Schwertkampfs warten Westbold und Thull mit einer umfangreichen Liste auf. Zu nennen seien da vor allem: Selbstdisziplin, Geschicklichkeit und Koordination, Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, besseres Reaktionsvermögen, erhöhte Stressresistenz, Gelassenheit und innere Ruhe, Aggressionsbewältigung und Respekt.

Nicht überraschend sei auch, dass überall, wo dieser Sport betrieben werde, der Frauenanteil sehr hoch sei. Dies habe, interpretiert Manfred Thull, sicher mit den geforderten harmonischen Bewegungsabläufen zu tun. Der Sport erinnere zudem an den traditionsreichen Schwerttanz.